Freier Journalismus braucht eine eigene Wertschöpfungsstrategie


Als Verwerter freier journalistischer Arbeit entscheiden Verlage und Medienhäuser nicht nur über den Marktzugang freiberuflicher Autor:innen. Angesichts sinkender Erlöse und schwacher Margen nutzen sie ihr Oligopol leider auch viel zu oft, um Urheberrechte zu entwerten und ihre Verwertungsrechte zu maximieren.

Freie zwischen allen Stühlen
Konfrontiert mit Total-Buy-Out-Verträgen, kuriosen Leistungsschutzrechten und fragwürdigen EU-Positionen zum Urheberrecht finden sich Freie nicht selten zwischen allen Stühlen wieder: Während traditionellen Verwertern langsam die Puste ausgeht, kommen atypische Verwerter wie Verbände, Stiftungen, Unternehmen, NGO oder Einrichtungen der Öffentlichen Hand nur selten als Alternativ in Frage. Grund: Ihre internen Richtlinien lassen die direkte Kooperation mit Freien oft nicht zu. Was bleibt, ist die Einsicht, dass es zwischen den Stühlen auf Dauer ungemütlich wird.

Raus aus dem engen Markt
Es geht aber auch anders. Schließlich schöpft Freier Journalismus sein publizistisches Potenzial vor allem aus der perspektivischen Vielfalt seiner Autor:innen – und die ist nach wie vor sehr gefragt, selbst wenn sie immer öfter im Flaschenhals margenschwacher verlegerischer Geschäftsmodelle stecken bleibt. Was Freie Journalist:innen deshalb dringend brauchen, ist eine Verwertungsstrategie, die ihre Leistung auf die Straße bringt und ihr publizistisches Potenzial in seiner ganzen Vielfalt auf allen relevanten Kanälen verfügbar macht.

Rein in eine eigenständige Wertschöpfung
Genau deshalb sind wir wild entschlossen, ein plattformbasiertes Ökosystem auf die Beine zu stellen, das die relevanten Märkte für Freie Journalist:innen abbildet, neue Publikationskanäle entwickelt und Freie dabei unterstützt, zusätzliche Erlösquellen zu erschließen. Sicher ist, dass vernetzungs- und communityorientierte Strategien dabei ebenso ein Rolle spielen werden wie Mehrfachverwertung und neue Publikationskanäle.

Eine kleine, aber feine Lösung,
die freien Autor:innen die direkte Zusammenarbeit mit Organisationen ermöglicht, die eigentlich nur juristische Personen als Geschäftspartner akzeptieren, gibt es bereits. Der Basis für attraktivere Erlöse ist damit immerhin schon mal gelegt.