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Sharing Economy für Business Travel und Geschäftsreisen

"Travel Manager müssen Bewertungssysteme dechiffrieren."

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Ob und inwieweit es die Geschäftsreisebranche sein wird, steht allem Hype zum Trotz allerdings noch in den Sternen. Uber und Co haben den Geschäftsreisemarkt zwar schon längst im Visier. Glaubt man der im Herbst letzten Jahres veröffentlichten Studie eines US-amerikanischen Travel-Risk-Spezialisten hält sich der Erfolg aber selbst in den USA bisher noch in Grenzen. Der Umfrage zufolge schätzen Geschäftsreisende Hotels oder Airbnb zwar als gleich sicher ein, trotzdem haben erst vier Prozent von ihnen bei dem Sharing-Dienstleister gebucht. Besser sieht es für Uber aus. Fast jeder Achte gab an, den Service schon einmal genutzt zu haben.

Was die Geschäftsreisebranche betrifft, scheint der anfängliche Hype auch hierzulande allmählich in der Wirklichkeit angekommen zu sein. Allerdings haben die gedämpften Erwartungen weniger damit zu tun, dass der angepriesene Preisvorteil schnell dahin schmilzt, wenn am Ende eines Messetages die Taxis knapp werden und die Fahrpreise in die Höhe schnellen, weil hunderte von Besuchern gleichzeitig zurück in ihr Hotel wollen. Oder dass „Airbnb-Wohnungen keinesfalls billiger sind als Hotels“, wie Carsten Knauer, Leiter der BME-Fachgruppe Travel-Einkauf im September letzten Jahres auf dem BME-Kongress Travel, MICE & More vorrechnete.
Die Skepsis, mit der Travel Manager Uber und Co betrachten, rührt vielmehr daher, dass die meisten Angebote den für Geschäftsreisen typischen Qualitätsanforderungen nicht oder nur unvollständig genügen. Andreas Schneider, Vice President Sales, Account Management & Consulting Services bei DER Business Travel, weist in diesem Zusammenhang vor allem auf Aspekte wie Stornobedingungen, Datensicherheit und die Fürsorgepflicht der Unternehmen hin. „Bei Geschäftsreisen kommt es immer wieder vor, dass sich Reisepläne ändern und gebuchte Leistungen kurzfristig storniert werden müssen. Aktuell können die Anbieter die dafür nötige Flexibilität bei den Stornofristen aber nicht immer bieten.“
Hinzu kommt, dass die Sicherheit der persönlichen Daten bei offenen Buchungsplattformen bisher ebenso wenig gewährleistet ist wie die Möglichkeit, Sharing-Angebote in die Reiserichtlinien zu integrieren. Beides hat nicht nur negative Folgen für die Sicherheit der Reisenden, sondern führt auch rechtlich auf glattes Parkett: Wird der Aufenthaltsort der Reisenden bei der Buchung nicht umfassend dokumentiert, kann es passieren, dass Unternehmen im Krisenfall die Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern nicht wahrnehmen können. Für zusätzliche Rechtsunsicherheit sorgen auch die in vielen Ländern bisher noch nicht geklärten regulatorischen und rechtlichen Fragen. „Bis die neuen Angebote der New Shared Economy tatsächlich genutzt werden“, so das Fazit von Andreas Schneider, „wird noch ein wenig Zeit ins Land ziehen. Noch fehlen die Verbindlichkeit und vor allem die Planungssicherheit, die Unternehmen und Geschäftsreisende brauchen."
Abwartend gibt sich auch die MICE-Branche. Die Veranstalter der IMEX 2016 in Frankfurt attestieren Airbnb und Co zwar großen Einfluss auf das Konsumverhalten im Reisesektor, leiten daraus jedoch keinen akuten Handlungsbedarf ab. „Im Jahr 2016“, so ihre Einschätzung, „wird es darum gehen, wie sich die MICE-Branche mit der Share Economy befasst, ob und wie die Grundidee adaptiert werden kann und wie erste Schritte hierzu konkret gestaltet sein können.“ Euphorie hört sich anders an.

Trotz der nach wie vor verhaltenen Nachfrage nach Sharing-Angeboten rät Andreas Schneider Travel Managern und Reiseverantwortlichen dazu, das Thema im Blick zu behalten: „Die Sharing Economy entwickelt sich rasant weiter. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Angebote auf den Markt kommen, die ein bestehendes Geschäftsreiseprogramm sinnvoll ergänzen, weil sie eine höhere Wertschöpfung ermöglichen. Spätestens dann sollte man auch die Frage beantworten können, ob und wie Mitarbeiter diese Angebote nutzen können.“

[Beitrag im März 2016 verfasst für FCM Travel Solutions Deutschland, bis Ende 2017 eine von der DER Touristik und dem australischen Unternehmen Flight Centre Travel Group gemeinsam geführte Marke. Seit 2018 gehen die beiden Unternehmen wieder getrennte Wege: Die DER Touristik ist wieder zu ihrer traditionellen Marke DER Business Travel zurückgekehrt, FCM Travel Solutions ist nun als eigenständige Marke des australischen Unternehmens Flight Centre Travel Group in Deutschland präsent.]