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Sharing Economy für Geschäftsreisen

"Travel Manager müssen die Bewertungssysteme für ihre internen Kunden dechiffrieren."

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Bei Corporate Trust weiß man aber auch, dass nur die wenigsten Reisenden zu dieser speziellen Gruppe gehören – die Sharing Economy aber einen gesellschaftlichen Trend widerspiegelt, der sich ganz wesentlich aus der Flexibilisierung von Arbeits- und Lebensverhältnisses speist und deshalb weite Bereiche des täglichen Lebens durchdringt.

  „Wir müssen eine Antwort auf die Frage finden, was dieser Trend für die gesellschaftliche Sicherheit bedeutet, welche Folgen er für die Gewährleistung von Sicherheit hat, wie sich klassische Prozesse unter seinem Einfluss verändern und was sich daraus für die Stakeholder ergibt“, folgert Florian Oelmaier.

„Im Kern geht es beim Sharing ja darum, dass ich eine Dienstleistung von jemandem annehme, den ich nicht kenne, dessen Angebot weder standardisiert noch zertifiziert ist und zu dem kein Vertrauensverhältnis besteht. Deshalb müssen Vermittler Vertrauen herstellen, was sie derzeit im Wesentlichen durch Marketing zu erreichen versuchen“, bringt Senior Consultant Lars Unger die Herausforderung auf den Punkt.

Was die Firmen aber tatsächlich unternehmen, um die dafür nötigen Voraussetzungen zu schaffen und entsprechende Prüfverfahren zu implementieren, steht auf einem anderen Blatt. Lebenspraktisch betrachtet, so Lars Unger, rücke damit die Frage in den Mittelpunkt, wie viel Vertrauensgarantie Nutzer sinnvollerweise vom Vermittler einfordern können und wie viel Sicherheit Vermittler tatsächlich schaffen könnten: „Wenn ich für mein Traumhaus in der Stadt weniger bezahle als für ein Hotel, sollte mir eben auch klar sein, dass ich mich gegebenenfalls in die Höhle des Löwen begebe. Die meisten Höhlen sind mittlerweile zwar ganz gut erkundet, aber manche eben noch nicht.“

Das scheinen viele Geschäftsreisende ganz ähnlich zu sehen: Danach befragt, ob sie Angebote der Sharing Economy für berufliche Zwecke in Anspruch nehmen würden, antworteten bei der jüngsten IMEX-Umfrage 35 Prozent der teilnehmenden Veranstaltungsplaner mit einem glatten „Nein“ und begründeten ihre Skepsis im Wesentlichen mit  Zweifeln an Qualität und Sicherheit. Viel interessanter ist aber eigentlich der Umkehrschluss: Immerhin können sich 65 Prozent der Befragten vorstellen, Sharing-Angebote unter bestimmten Voraussetzungen zu nutzen.

Bewertungssysteme für interne Kunden nutzbar machen

In wie weit Unternehmen und Geschäftsreisende dies künftig tatsächlich tun, wird Corporate Trust zufolge nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung der Bewertungssystemen abhängen, die im magischen Dreieck von Anbieter, Nutzer und Vermittler das nötige Vertrauen generieren sollen. Denn zahlreiche rechtlich relevante Aspekte sind nach wie vor nicht abgebildet und deshalb ungeklärt. Lars Unger: „Bei Airbnb wird Ihnen niemand eine Garantie für die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen geben. Zumindest nicht für die, die üblicherweise für Hotels gelten. Solange Arbeitgeber hierzulande aber für unzureichende Sicherheitsstandards zur Verantwortung gezogen werden können, wird es für Unternehmen schwierig, Angebote der Sharing Economy zu integrieren.“

Wagen sie es doch, sieht Florian Oelmaier vor allem die Reiseverantwortlichen in der Pflicht. „Wenn die Sharing Economy ins Spiel kommt, ist es Aufgabe der Travel Manager, zu klären, wie gut und vertrauenswürdig das Bewertungssystem des Anbieters ist und wie man mit ihm umgehen muss. Sie müssen es dechiffrieren und für ihre internen Kunden nutzbar machen.“

Gefragt sind seiner Ansicht nach aber auch die Reisenden selbst. „Wenn Bewertungssysteme das Verfahren der Wahl sind, dann müssen wir lernen, mit diesem System gut umzugehen“, fordert er. Der wichtigste Sicherheitsrat für Nutzer der Sharing Economy laute deshalb, Bewertungen genau zu lesen, sich exakt an ihnen zu orientieren und klare Regeln zu definieren: „Sollte ein Angebot nicht durchgehend mit vier Sternen bewertet sein, nimmt man es nicht. Fertig. Denn in der Sharing-Economy hat ein Anbieter nur dann einen guten Namen, wenn seine Bewertung in Ordnung ist.“

[Beitrag im Juni 2016 verfasst für FCM Travel Solutions Deutschland, bis Ende 2017 eine von der DER Touristik und dem australischen Unternehmen Flight Centre Travel Group gemeinsam geführte Marke. Seit 2018 gehen die beiden Unternehmen wieder getrennte Wege: Die DER Touristik ist wieder zu ihrer traditionellen Marke DER Business Travel zurückgekehrt, FCM Travel Solutions ist nun als eigenständige Marke des australischen Unternehmens Flight Centre Travel Group in Deutschland präsent.]

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